Prototyp der MV Agusta von Target-Design

Die MV Agusta 750 S war Mitte der 70er Jahre eines der potentesten italienschen Big Bikes. Als einziger Vierzylinder  aus italienscher Produktion war sie trotz ihres ungewöhnlichen Kardanantriebes auf den Rennstrecken zu Hause und ein beliebtes Objekt in Tuner-Kreisen. Das Design des von Mario Rossi konstruierten Geschosses  entsprach dem Geist der 70er Jahre: heute würde man die MV als klassisches Naked Bike mit sportlichen Elementen bezeichnen. Ein bischen wenig für den Aufbruch in ein neues Jahrzehnt, so dachten zumindest einige Designer in den letzten Jahren des Jahrzehnts.


Ende der 70er Jahre geriet eine solche MV Agusta in die Hände von Hans Muth, Designer der deutschen Firma Target Design, die sich auch heute noch mit Motorrädern beschäftigt. Muth und sein Team wagten das Unglaubliche. Auf der Suche nach ihrer Design-Vision der Zukunft entkleideten sie das Motorrad vollständig und passten ihm ein neues, völlig avantgardistisches Kleid an. Frontverkleidung, Tank, Seitenteile und Sitzbank bilden eine einzige flache Welle. Das kurze, leicht aufragende Heck dürfte auch heute noch die Streetfighter-Herzen erfreuen. Um die Linie der spitzen Front nicht zu stören, wurde ein ausklappbarer Scheinwerfer in die leicht geneigte Verkleidung integriert. Leider folgte dieser Studie nie die Realisierung. Das Bike blieb ein Prototyp … und doch kommt einem das Design recht bekannt vor.

Ende der 70er war auch Suzuki auf der Suche nach neuen Ideen, um den schwächelnden Absatz an Motorrädern anzukurbeln. Der damalige deutsche Importeur brachte Hans Muth, Jan Fellstrom und Hans-Georg Kasten, die Herz  und Kopf von Target-Design bildeten, ins Gespräch. Sie sollten für Suzuki ein neues Design entwickeln. Anders als MV Agusta rang man sich bei Suzuki zügig zu einer Produktion durch und so erntete bereits auf der Motorradmesse in Köln 1980 ein Motorrad begeistertes, aber auch ungläubiges Staunen:

Prototyp der Katana, noch ohne Windschild

Die Suzuki GSX 1100 Katana polarisierte die Fachwelt und das Publikum mit ihrem futuristischen Design.Statt klassischer gerader Linienführung, eine kantige, optisch nach vorn geneigte Kombination aus Tank und kleiner Verkleidung, dahinter eine Sitzmulde, die erstmalig den Fahrer ins Motorrad integrierte. Ihren futuristischen Charme hat sich die Katana bis heute bewahrt. Gutes Design, ob man es nun mag oder nicht, bleibt wohl ewig. Und wer jetzt mal einen Blick auf die von Target-Design für Sachs gestaltete Beast wirft, der erkennt auch hier noch die Gene der MV Agusta Studie.

Die Fotos stammen von: fact/Joachim Schahl, www.factstudio.de

wer französisch kann, darf hier noch mehr lesen und sehen: bloguidon

oder hier noch ein paar Details anschauen: motorradonline

Laurin und Klement von 1901

Mit steigenden Temperaturen gerät so langsam das eigene Motorrad wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Wer aber den Winter nicht dazu genutzt hat, sollte seine erste Ausfahrt vielleicht nach Wolfsburg planen.

Wolfsburg? Autostadt? Ja, richtig! Das ZeitHaus in der Autostadt präsentiert seit November letzten Jahres Motorradikonen.  An Hand der ersten motorisierten Fahrräder des 19. Jahrhunderts bis hin zur Münch Mammut wird die Entwicklungsgeschichte des Motorrades in außergewöhnlichen Exemplaren erzählt. Die Schau ist aber nicht nur eine Aneinanderreihung klassischer Motorräder. Gegliedert in die Abteilungen “Mobilität fürs Volk”, “Die bürgerliche Mitte”, “Luxusgeschöpfe”, “Es lebe der Sport” und “Freiheit auf zwei Rädern” hat sie den Anspruch, auch der Bedeutung des Motorrades zu unterschiedlichen Zeiten nachzuspüren. Den Ausstellungsmachern ging es darum, möglichst seltene und außergewöhnliche Motorräder für die Schau zusammen zu tragen. Dank zahlreicher privater Leihgaben ist ihnen dies auch gelungen. Wer also endlich mal eine Laurin und Klement von 1901 oder eine Van Veen mit Wankelmotor von 1976 im Original sehen will sollte sich sputen. Die Ausstellung ist nur noch bis zum 11. April geöffnet.

mehr Infos gib es hier: Autostadt Wolfsburg – Motorradikonen

Bildrechte bei: Autostadt Wolfsburg