Berliner Behörden lieben es anscheinend sich mit Veranstaltern großer Events anzulegen. Erinnert sich noch jemand an die Love-Parade? Richtig, auch wenn man es nicht mochte, bei den Geschäftsleuten der Stadt klingelten die Kassen und Berlin erhielt ein weltweit transportiertes Image als aufgeschlossene, junge Stadt. Jetzt sind die Harley Days dran.

Hierzu die Stellungnahme der Veranstalter:

“Nachdem die Harley Days im Sommer 2009 in der Hauptstadt mit großem Erfolg einschlugen, waren die Organisatoren entschlossen das beliebte Event 2010 zu wiederholen. Allem Enthusiasmus und Vorfreude zum Trotz muss das Event nun doch abgesagt werden. Die Steine, die den Veranstaltern von Behörden in den Weg gelegt wurden, waren einfach zu zahlreich und Rahmenbedingungen bezüglich der Veranstaltungsfläche sowie sonstige Auflagen zu kompliziert.

Mit großem Bedauern, aber wilder Entschlossenheit, die Bikes 2011 auch in der Metropole wieder blitzen zu lassen, bedanken sich die Veranstalter und Harley-Davidson bei allen, die sich für die Harley Days in Berlin eingesetzt haben.” (im Original nachzulesen unter: http://www.berlinharleydays.de)

Scheinbar hat sich bei den Berliner Behörden noch nicht herumgesprochen, dass nicht jeder Harleyfahrer ein potentieller Straftäter ist. Aber, wir drücken die Daumen fürs nächste Jahr, es soll ja auch in Behörden Menschen geben, die lernfähig sind.

die Ish 1 von 1929

Wer hätte das gedacht: Nicht die USA, nicht England, Italien oder gar Deutschland standen Anfang der 90er Jahre in der Rangliste der Motorradhersteller auf Platz zwei, gleich hinter Japan. Nein, es war … die Sowjetunion. Und hier nicht etwa dank der allseits bekannten Ural-Werke, sondern dank Izh (Ish), die seit 1927 schätzungsweise elf Millionen Zweiräder unter die Leute gebracht haben.

1927 ging Ish mit einem Motorrad an den Start, das – Guzzi Enthusiasten aufgepasst! – einen 1200 ccm, längs eingebauten V-Twin aufwies: Ihr Name völlig unprätentiös: Ish-1. Bekannt ist Ish den meisten allerdings durch ein anderes Produkt. Neben Fahrzeugen stellte Ish auch Waffen her, die berühmte „Kalaschnikow“ ist wohl das bekannteste Produkt, dass das Werk je verlassen hat.

Soviel zur Vergangenheit und nun zur Gegenwart.

die Ish 2012 von Igor Chak

2012 Ish nennt sich folglich das Konzept-Bike eines jungen, russischstämmigen Designers. Der 1984 in der Sowjetunion geborene Igor Chak hat eine 1929er Ish-1 zum Ausgangspunkt seiner Studie für ein modernes Motorrad bestimmt. Aufgewachsen in der Sowjetunion und in Japan, ist Igor Chak schließlich in den USA gelandet, um hier Design zu studieren. Zunächst am Art Institute Seattle, wo er auch seinen Abschluss machte und schließlich am Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien, während er bereits für Nokia als Designer tätig war. Am Art Center College holte er sich das notwendige Know-How, um seiner Leidenschaft, dem Motorraddesign ,auf den Leib zu rücken.

Über seinen Designansatz sagt er selbst: „I believe in a well developed design that has a story, with history and passion to it.“ Und so ist es nicht verwunderlich, dass seine Ish deutlich auf die Ish-1 verweist. Das erstaunliche daran: Anders als z.B. bei Honda Sevenfifty oder Kawasaki Zephyr, bezieht sich die neue zwar formal auf die ältere Maschine, tut dies aber ohne jeglichen Retrogedanken. Man sieht deutlich welche Elemente Chak inspiriert haben, aber entstanden ist eine wunderbare, frische und moderne Motorradstudie. Man betrachte nur die Linie des Rahmens der alten Ish. Sie findet ihre Entsprechung in Rahmen und Federbeinen der neuen und gibt beiden einen dynamischen Drang nach vorn.

Das Konzept von Igor Chak hört aber nicht bei Äußerlichkeiten auf. Die 2012 Ish ist ein Hybridfahrzeug, bei dem sich ein Elektromotor mit einer Leistung von 60kw in der hinteren Felge verbirgt. Das Hauptaggregat ist ein 140 PS starker V2 Motor, der zu 50% aus hitzeresistentem Kunststoff bestehen soll und das Motorrad primär antreibt.

Kein neues Motorrad ohne Berücksichtigung von Sicherheitstechnologien. So verfügt die Ish über zwei innovative Airbags und über ein automatisch reagierendes System, das selbständig auftauchende Hindernisse erkennt und eine Bremsung einleitet. Aber auch an den Einsatz moderner Kommunikationstechnologien hat Chak gedacht. Internetverbindung und HD Kamera finden sich ebenso wie ein integriertes Navigationsgerät. Wenn das, was der erst 26jährige Ish hier vorstellt die Zukunft des Motorradbaus ist, dann freu ich mich heute schon drauf. Was soll daraus erst werden, wenn ein solch kreativer Geist die Möglichkeit erhält, seine Visionen umzusetzen.

Mehr zu dem Projekt und dem Designer selbst gibt es auf der Seite von Igor Chak

weitere Fotos gibt es auch bei motorrad-news.com , durch die ich auf Chak aufmerksam wurde.

Bildrechte bei: Igor Chak

Die neue Ducati Monster 796

Das Design gilt unbestritten als Klassiker: Seit ihrem Erscheinen Anfang der 90er Jahre ist die Ducati Monster fest in der Motorradszene und in der Designgeschichte verankert. Ihr langjähriger Erfolg ist allerdings auch in der klugen Modellpflege zu sehen. Stets aktuell modifiziert, blieb die Monster doch stets Monster. Nun hat Ducati die Modellfamilie erneut erweitert.

Wem bisher die Monster 696 zu klein und die Monster 1100 zu groß war, der kann jetzt zur 796 greifen: laut Ducati das Beste aus den zwei anderen Welten. Die 796 komplettiert die Monsterfamilie in der mittleren Hubraumklasse. Bei einem Trockengewicht von lediglich 169kg und 87 PS verspricht Ducati Fahrspaß pur. Die Monster 796 wird serienmäßig mit Bikini-Windschild und hinterer Soziussitzabdeckung in Fahrzeugfarbe ausgeliefert. Die neu geformte Sitzbank sorgt für noch mehr Fahrkomfort, rote Ziernähte setzen Akzente, zudem wurde die Höhe um 10mm verringert. In Kombination mit einem um 20mm erhöhtem Lenker ist nun die Sitzposition wesentlich entspannter geraten als bei den Schwestermodellen. Drei Farben stehen zur Auswahl: Ducati Rot, Arctic White Silk und Diamond Black Silk. Dazu gibt es den traditionellen roten Gitterrohrrahmen und schwarze Felgen. Kosten soll sie ca. 9.500 Euro. Wenn sie auch in der Praxis das hält was die Daten versprechen, dann bringt hier Ducati wohl erneut einen zukünftigen Klassiker auf den Markt. Der Preis stimmt, das Design sowieso. Langweilig wird es mit diesem Motorrad wohl niemanden werden, egal ob man gerade drauf sitzt und fährt oder daneben steht und es einfach nur anschaut.

mehr gibt es bei: Ducati

Bildrechte bei: Ducati

Soeben geht die Ausstellung “Motorradikonen” in der Autostadt Wolfsburg ihrem Ende entgegen, da wirft bereits ein weiteres Highlight des diesjährigen Ausstellungsjahres seine Schatten voraus.

Das Auto und Technik Museum Sinsheim öffnet am 29. April seine Pforten zu einer neuen Sonderausstellung, die sich ganz den “Adlern aus Mandello” widmet: Denn der Adler ziert seit fast 90 Jahren die Maschinen von Moto Guzzi, deren Geschichte es zu feiern und zu bestaunen gilt.

1919 bauten Carlo Guzzi und Giorgio Parodi den ersten Prototypen eines 500 ccm Motors zusammen.  Da das technische Know-How von Carlo Guzzi stammte, wurde die als G.P. gegründete Firma schon bald in Moto Guzzi umbenannt. Wegen der engen Beziehung von Parodi und Guzzi zur Fliegerei – Parodi war Pilot, Guzzi Flugzeuchtechniker – wurde im Firmenzeichen ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen verwendet. 1921 begann in Mandello die Serienfertigung. Noch heute rollen hier die Guzzis vom Band. Die klangvollen Modellnamen aus der Frühzeit von Moto Guzzi wie Airone, Falcone, Galletto, Stornello, Lodola, Sport 14, Dondolino und Gambalunga bringen noch heute nicht nur die Augen von Moto Guzzi Enthusiasten zum leuchten.

Von Beginn an hatte der Motorsport große Bedeutung bei Moto Guzzi. Bis zum Ausstieg aus der Rennszene im Jahr 1957 gab es kaum einen bekannten Fahrer, der während seiner Karriere nicht mindestens einmal eine der legendären Rennmaschinen aus Mandello bewegte: Billy Lomas, Bruno Ruffo, Archille Varzi, Bill Ivy, Enrico Lorenzetti, um nur einige zu nennen.

Kultstatus erlangte Moto Guzzi spätestens in den 70er Jahren, mit dem charakteristischen, großvolumigen Zweizylinder-V-Motor, der noch heute das Aushängeschild von Moto Guzzi darstellt. Die V7 Sport von 1971, die 750 S von 1974 und schließlich die 850 Le Mans von 1976 wurden zu Legenden. Mit ihrer charismatischen Ausstrahlung und der für damalige Verhältnisses hohen technischen Qualität zogen die Maschinen die Motorradszene in ihren Bann.

Der Geschichte der Adler aus Mandello spürt nun ab dem 29. April und bis zum 3. Oktober 2010 das Auto & Technik Museum Sinsheim nach. Eine ganze Motorradsaison lang zeigt das Museum 12 Klassiker der Kultmarke, die alle von Guzzi verfolgten Motorenkonzepte umfasst. Highlights der Ausstellung sind u.a. eine Moto Guzzi Ercole von 1948, eine V7 Sport von 1971, eine Falcone Carabinieri von 1970, die Militärmaschine Moto Guzzi Superalce von 1946 und die legendäre Grand Prix Werksrennmaschine 500 GP aus dem Jahr 1957.

Sinsheim sollte also in diesem Jahr fest im Kalender von Guzzi-Fans und alle anderen Motorradinteressierten verankert werden. Einen Besuch ist das Museum aber auch für Motorradfreunde ohne Guzzi-Ambitionen wert. Ca. 300 Bikes sind hier in der ständigen Ausstellung zu sehen, darunter Designklassiker wie die Megola von 1922 und eine dreisitzige Böhmerland.

mehr Infos unter: Auto und Technik Museum Sinsheim

copyright der Fotos: Auto und Technik Museum Sinsheim